So, meine Lieben, jetzt will ich euch also bissle von unserem Einsatz in Lomerío erzaehlen, damit ihr euch bissle vorstellen koennt, wie ich meine letzten zwei Monate verbracht hab, in denen ihr so ar nix von mir gehoert habt.
Erst Mal zum Erklaeren, Lomerío ist ne Region nord-oestlich von Santa Cruz und besteht aus 28 Doerfern, in denen jeweils zwischen 12 und 200 Familien leben.
Es isch sehr, sehr in der Pampa, von Santa Cruz aus ist es ne 8-stuendige Fahrt ueber holprige Staubpiste, mit wunderschoenem Urwald und sehr abenteuerlichem Safari-Feeling ;)
Wir (Nea und ich) sind mit einem wunderbaren, einzigartigen und sehr vielfaeltigen 11-koepfigen Team ausgesandt worden. Hier mal eine Kurzvorstellung:
- Mauricio und Bianca (32 und 29) ein frischverheiratetes Ehepaar aus Holland, die langfristig in die Mission wollen
- Escarleth (32), aus Santa Cruz, sehr suesses Maedel, mit grossen Herz und toller Stimme, hat sich viele Fans in der Provinz gewonnen ;)
- Karina (isch waehrend dem Einsatz 30 geworden), die isch aus Potosí, Gewebefachfrau, voll die Liebe, hats echt drauf mit Kindern und ist ne tolle Unterstuetzerin
- Gretzel (23), aus La Paz, Physotherapeutin (oder wie man des au immer schreibt), die wo wir hinkamen immer die behinderten Kinder und gebrechliche Senioren ausfindig gemacht hat und behandelt hat
- Brenda (22), aus Sucre (der Hauptstadt!!!), die Business studiert hat und voll des Talent im Tanz und Theater hat
- Arno (25), aus Trinidad, der Ingenieur ist, zwischenzeitlich aber auch als Lehrer an ner christlichen Schule gearbeitet hat und bei uns der Lobpreiser war und bei jeder Social Night coole Spiele ausgepackt hat
- Emmanuel (21), unser argentinischer Koch, ohne den wir wahrscheinlich vehungert waeren, und ausserdem als Team sehr viel aermer gewesen waeren, da der total lustig ist und echt hammers hilfsbereit
- und, zu guter Letzt, unser 'Baby', der Diego, auch Dieguito gennannt (18), auch aus Trinidad, wie ihr seht, der einzige, der juenger ist, als ich :)
Lustige Position als Leiter! Aber es war echt ein hammers Team, die alle echt bereit waren, ihre Bequemlichkeiten und das Gewohnte aufzugeben und sich auf alles Moegliche und Unmoegliche einzulassen.
Mit Nea bin ich total ueberrascht, wie genial es war, mit ihr zusammen zu leiten. Wir sind so was von unterschiedlich, das koennt ihr euch net vorstellen; und in meinem Outreach damals war es ne grosse Herausforderung fuer mich, mit ihr klarzukommen. Aber was Gott net alles tun kann, wenn wir uns auf Ihn einlassen... Mittlerweile ist die Nea fuer mich ziemlich oben auf der Liste von Leuten, die mein Leben positiv beeinflusst und gepraegt haben. Bin echt dankbar fuer die Freundschaft, die da gewachsen ist.
Jo, wir waren also zu elft in der Pampa, zwar ohne fliessend Wasser und Strom, aber mit einer grossen Mission, die es zu erfuellen galt... *tataa... Hintergrundmusik* ;P und einem noch groesserem Gott, der uns von Anfang bis Ende immer wieder ueberrascht hat.
Wir waren in 10 der 28 Doerfer unterwegs, kamen an, und blieben je nachdem einen NAchmittag oder aber bis zu zwei Wochen and einem Ort; haben in allen moeglichen Unterkuenften geschlafen... Kirche, Haus, Holz-Blech-Huette, Zimmerchen, in nem Bett ohne Matraze, Matraze ohne Bett, Boden ohne Matraze, Kirchenbank, Haengematte, manchmal hatte jeder sein eigenes Bett, manchmal haben wir zu dritt in einem Bett geschlafen, manchmal schoen geraeumig, manchmal alle elf in einem Zimmer, oder alle in der Kirche, mit allen moeglichen Kriechviechern, Schnaken, Zecken, und ausserdem Fledermaeusen, die neben Gestank verbreiten auch noch nachts alles Moegliche auf einem fallen lassen... oder ploetzlich anstatt im Dach zu haengen aufm Boden liegen... oder in deinem Schlafsack... ;P Sehr amuesant...
Und unsere Klos und 'Badezimmer' waren auch so ein Abenteuer. Zuerst hatten wir so Duschbeutel zum aufhaengen, die sich aufheizen, wenn man sie in die Sonne legt und ein richtiges Klohauschen. Im naechsten Dorf hatten wir nur noch n Holzverschlag und ein Plumpsklo mit Schuessel, dann nur noch Plumpsloch im Boden und keine andere Duschmoeglichkeit als in den Bueschen... ;)
Und so gings uns sehr unterschiedlich! Aber man gewoehnt sich an alles.
Das Essen war auch so ne Sache, aber darauf geh ich hier jetzt net ein, moecht euch lieber noch bissle von den Leuten erzaehlen, mit denen mir gelebt und gearbeitet haben, weil wegen denen war echt alles seine Muehe wert. Unds es war gar keine so grosse Muehe wie sichs anhoert, war ne echt tolle Zeit, nur sind die Besonderheiten halt am lustigsten zum Erzaehlen... ;)
Ja, wie ihr euch vielleicht erinnert ist die Region sehr arm und es gibt sehr viel Religiositaet und Aberglauben, ausserdem haben wir in der Zeit jetzt einen tieferen Einblick in die Kultur und soziale Situation der Leute bekommen und haben mehr gesehen - sowohl positives als auch negatives.
Positiv ist zum Beispiel denen ihre Offenheit und Gastfreudlichkeit, mit denen sie uns empfangen haben. Es war echt total schoen, was da fuer Freundschaften entstanden sind und wie Leute echt uns ihr Herz geoeffnet haben. Andererseits gibts da viel Alkoholismus, ne Art Klandenken - jeder ist mit jedem verwandt und verschwaegert und es wird viel sozialer Druck ausgeuebt - es gibt erschreckend viele Teenage-Moms, die teilweise schon mit 15 ihr erstes Baby kriegen - und dann entweder so ne Art zwangsverheiratet werden, oder halt alleine da sitzen.
Und in dem Kontext ist die Kirche dabei, aufgebaut zu werden. Nur in 8 der 28 Doerfer gibt es Christen, und nur in 4 Doerfern gibt es ein Kirchengebaeude. War sehr interessant, die Unterschiede zu sehen. In einem Dorf, Surusuví z.B. lebt der Pastor Pablo, ein bolivianischer Missionar, es gibt ne Kirche, die Gemeinde ist sehr stabil und die Mitglieder sehr gut dabei, im naechsten Dorf, Puquio, gibt es auch nen festen Pastor, die Jugendlichen total motiviert (sind uns immer nachgefolgt, haben teilweise eineinhalb Stunden Fussmarsch auf sich genommen, um bei unseren Programmen dabei zu sein!), dann San Lorenzo, die geimde besteht aus einer Familie (mit 12 Kindern) und dann noch etwa 15 Jugendlichen und jungen Erwachsenen, die schon ein Grundstueck haben, und davon traeumen, bald damit anzufangen, ihre Kirche zu bauen. Dann gibts aber auch Orte wie San Antonio, wo der hauptsitz des Katholizismus in der gegend ist; dort besteht die Gemeinde aus drei Familien, der 'Hauptaelteste' ist ein Lehrer, der sich manchmal betrinkt, seine Tochter war in der Stadt zum studieren und ist mit nem Baby und ihrem freund zurueckgekommen, die Kinder sind total vernachlaessigt und die Familie an sich echt zerruettet, oder Carmema, wo es (bis wir kamen ;P haehae) ueberhaupt keine Christen gab... und so gibts halt echt krasse Unterschiede. und so unterschiedlich die orte waren, war auch unsere Arbeit.
Hauptsaechlich haben wir halt Gottesdienste in den Gemienden gemacht (2 Monate, so gut wie jeden Abend ein Gottesdienst...), Workshops ueber alle moeglichen Themen (Tanz, Theater, 'Wie arbeite ich mit Kindern?', 'Wie bereite ich n Gottesdienst vor?', Leiterschaft, Mission, ...), viele, viiiiieeele Kinderstunden (da gibts in der Durchschnittsfamilie etwa 8 Kinder), Besuch von Haus zu Haus, Konzerte oder evangeslistische Veranstaltungen aufm Dorfplatz oder aufm Fussballplatz, den mir auch manchmal gesaeubert haben, oder Schulen hab wir auch geputzt, dann haben wir auch Programme in Schulen und Kindergaerten gemacht, ... ja, des isch so alles, was mir grad einfaellt. Des war unser Programm nach aussen hin. Die restliche Zeit war Arbeit im team... Proben, Besprechung, Fuerbitte, Gebet, Vorbereitung etc., und ein Grossteil der Zeit muss man in das investieren, was sich net so leicht in n Programm reinpressen laesst; Beziehungen, Konflikte, dies auszuraeumen gibt, Ratschlaege, Konfrontation, Ermutigung... alles, was dazu gehoert.
Hab so viel gelernt in der Zeit, puh, es war echt von allem was dabei. Und ich bin total erstaunt und ueberrascht, wie Gott alles gefuehrt und geleitet hat und echt ALLES in seiner HAnd haelt. Und der Heilige Geist echt sein Werk in uns und durch uns tut.
Es gibt son Leitspruch, an den mir uns immer wieder gern erinnern, der geht so: Gott ist mehr daran interessiert IN oder AN dir zu arbeiten, als DURCH dich zu arbeiten.
Heisst anders ausgedrueckt, zuerst bin ich Gottes Tochter und irgendwann dannach Gottes Dienerin, 'Arbeiterin im Weinberg' um hier mal biblisch zu reden ;)
Gott interessiert sich mehr dafuer, WER ich BIN, als WAS ich MACH. Isch voll die tiefe Wahrheit, denk des mal durch.
Einerseits bricht es mir meinen Stolz, weil Gott mich net braucht, oder des, was ich mach und mit dem ich mir Anerkennung verdienen will; und andererseits nimmt es allen Druck weg, alle Sorge, Last, Angst vorm Versagen. Gott isch einfach unglaublich unbegreiflich wunderbar ;)
Ja und er arbeitet also mehr an unserem Charakter und IN uns, als DURCH uns.
Und von daher erzaehl ich euch zwar, was wir an sichtbarer Arbeit gemacht haben, aber das eigentlich wunderbare, die Veraendreung, des Wachstum IN jedem einzelnen DRIN, des laesst sich schwer vorzeigen und beschrieben, aber ist das, was mich in der Juengerschaftsschule so begeistert.
Junge Leute geben Gott ihr Leben in die Hand und er nimmt es und tut sein Werk... einfach nur genial! ;)
In der Bibel redet Gott oft durch des Bild mit dem Toepfer und dem Ton. Gott - der Toepfer, wir - der Ton. In der Zeit war ich da echt Zeugin davon, wie Gott den Ton in die Hand nimmt, daran arbeitet, manchmal altes kaputtes vollends zerbricht, und dann was Neues draus macht. Bei manchen sieht man noch wenig Schoenes Neues, bei andren schon etwas mehr. Manche sind sehr 'zerbrochen' worden, andere weniger, aber es ist echt toal cool, zu sehen, wie jeder so seinen individuellen Prozess hat, und dabei von Gott veraendert werden und ihm aehnlicher werden. Und es ist so ein Hammers Vorrecht, da in der Werkstatt mitzuarbeiten, Werkzeug zu sein, und gleichzeitig dabei auch bearbeitet zu werden. ;)
Jo, soviel mal fuer heute, ist schon spaet, demnaechst werd ich das hier noch bebildern ;) und noch etwas mehr Einzelheiten und Stories des Einsatzes erzaehlen, aber bis dahin verbleib ich mal mit lieben Gruessen!
Bis zum naechsten Mal!
Mittwoch, Juli 04, 2007
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