Halllihallo an alle meine lieben treuen Blogbesucher und An-Meinem-Leben-Anteilnehmer! :)
Ich bin jedes Mal wieder überrascht, wie viel Zeit schon wieder vergangen ist, wenn ich mich aufmache, einen neuen Eintrag zu schreiben und dabei den letzten Eintrag überfliege...
Mittlerweile ist ja schon Mitte Oktober, und ich bin – entgegen unserer Erwartungen und Pläne - doch noch in Santa Cruz.
Mal wieder lief nicht alles nach unserem Plan... ist ja fast schon normal, :) aber es kam net von heut auf morgen. Im Vorfeld gab es schon einige Terminänderungen des Seminars wegen der teilnehmenden Referenten, und dann hatte die Frau des Seminarleiters noch eine schwere und unerwartete Operation am Auge, sodass er net kommen konnte. Von daher stand des Seminar auf der Kippe und wir haben entschieden, anstatt an einem wackeligen Plan A festzuhalten, Gott zu fragen, ob Er denn einen Plan B für uns hat. Und so haben wir also das Bibelschulteam nach Chile verabschiedet, und wir sechs des Mitarbeitertrainings sind dageblieben. Haben das für sinnvoller und richtiger befunden und damit jetzt auch Frieden.
Ich wäre zwar gern nach Chile auf das Seminar gegangen, aber es ist jetzt auch nicht so schlimm, da ich ja gelernt hab, dass Planänderungen unter Umständen sehr positiv sind weil sie, obwohl sie meine Erwartungen nicht erfüllen, dafür oft aber was ganz anderes mit sich bringen. :)
Gott hat mich in dieser Zeit an die Geschichte Davids erinnert, die ja im großen Gegensatz zu der Sauls steht. David hat, bevor er König wurde, einen langen Prozess der Vorbereitung und Ausbildung durchgemacht, hat die Schafe seines Vaters gehütet, ihm sonst in ziemlich allen kleinen und unspektakulären Aufgaben gedient, schließlich, als er schon zum König gesalbt war, endlich an den Königshof kam – aber nicht, um König zu sein, sondern um erst mal dem Saul Harfe zu spielen. Und dem folgen viele Jahre der Verfolgung und Schwierigkeiten, bis er endlich der König wird, zu dem ihn Gott seit langem bestimmt hatte.
Saul stattdessen hatte eine unkompliziertere und steilere Karriere, aber dafür war sein Fall und Abstieg um so heftiger und schmerzhafter. Er war Gott ungehorsam, wollte ihn mit Opfern besänftigen und wurde deshalb von Ihm verstoßen, während David in der ganzen Bibel als ein Vorbild eines Königs und Mann Gottes hoch gehalten wird.Und waehrend fuer uns oft das Ergebnis zählt, ist Gott der Prozess, der Weg zum Ziel oft viel wichtiger als das Ziel selbst. Gott braucht unsere Werke nicht, aber was Er will, ist, dass wir Jesus ähnlicher werden. Gehorsam, keine Opfer. (1. Sam15 falls ihr nachlesen wollt) Und dann tut Gott Sein Werk in uns, und das, was Er durch uns tut ist die natürliche Konsequenz davon.
Und so haben wir den Eindruck, dass dies eine Zeit des Schafe Hütens ist, die kleinen unspektakulären Dienste zu tun, im Kleinen treu zu sein, und nicht danach zu streben, große Opfer zu bringen. Wir wollen Davids sein, und nicht Sauls, und gehen den langsameren, unspektakuläreren Weg – und nicht nach Chile.
Und von daher haben wir die letzte Woche damit verbracht, eine große und gründliche Putz- und Ausmistaktion auf der Base durchzuziehen, die auch sehr nötig war und bei der wir viele verborgene Schätze und alten Kram entdeckt haben, der sich schon lange angesammelt hatten. Und wer mich kennt, weiß, dass mir ausmisten und Leben vereinfachen, unnötigen 'Kruscht' loswerden sehr Spaß macht ... ;) aber schon auch ziemlich anstrengt, und von daher bin ich froh, dass wir jetzt fertig sind und die Base glänzt! :)
Ansonsten ist es hier ziemlich ruhig, eher Familienatmosphäre auf der Base, wir sind gerade zwischen 10 und 15 Leute, anstatt 50 bis 60 wie vorher zeitweise. Es hat sich für mich ja sehr viel verändert - neue Leiter, neue Leute, neue Verantwortung, und von daher ist es manchmal bissle anstrengend und mein Herz trauert dem Alten und Geliebten nach - vor allem Freunden und Freundschaften, die sich verändert haben, oder wo sich verschiedene Personen auf den Abschied vorbereiten, bzw. schon woanders sind. Aber da tut es gut, mich zu erinnern, dass ich ja net wegen den Leuten zurückgekommen bin sondern weil Gott mir die Möglichkeit gegeben hat, Ihn hier weiter kennen- und liebenzulernen und Ihm dabei hier zu dienen. Aber das Loslassen fällt mir etwas schwer und tut schon weh. Es stimmt ja schon, dass neue Freundschaften und Entwicklungen auch was für sich haben, man muss sich nur öffnen. Und das bin ich grad am lernen, weil ich mich eigentlich lieber am Alten, Geliebten und Gewohnten festhalten will.
Ganz aktuell ist gestern der JoseLuis nach Peru heimgereist. Das war der letzte meiner engsten Freunde noch von DTS Zeiten, der noch an der Base war, von daher wars besonders traurig. Haben noch eine kleine Abschiedsparty gemacht, ihm für alles gedankt, und dann hat er uns verlassen... :(
Der war wie die Louisa ein echt einzigartiger und wichtiger Freund und wertvoller großer Bruder für mich in meiner ganzen Zeit hier in Bolivien. Aber, alles hat seine Zeit und Menschen kommen und gehen und hinterlassen ihre Spuren in meinem Leben, manche tiefere, manche für längere Zeit, aber letztlich bleibt nur die Dankbarkeit und das Weitergehen, sich an Gott festhalten, dem einzigen Unveränderlichen und Ewigen, treuem Freund und stetigem Helfer. Hab also weder Grund, noch Zeit, depressiv zu werden, ;) denn das Leben geht weiter und bringt viel Neues mit sich.
Ab Donnerstag werden wir nämlich 'Operation Restauration' – die Straßenkinderarbeit hier – bis Anfang November unterstützen. Morgen früh gehen wir mit dem 'First Contacts' Team auf die Straße und ziehen dann für die nächsten Wochen ins Mädelsheim 'El Alfarero' (Der Töpfer), wo wir mitleben und mitarbeiten werden! Wir, das sind vier Mädels von hier von der Base: Viviane, Karina, Nelida und ich. Da freu ich mich sehr drauf, obwohl ich weiß dass es anstrengend wird und herausfordernd, eine ganz neue Erfahrung, die ich mir aber gewünscht hab.
Ich kenne ja die Heimleiter Salustio und Yanyt, die mit mir DTS gemacht haben, und durch Louisa hatte ich immer etwas Kontakt und oberflächlichere Freundschaften mit den Mitarbeitern dort, und von daher ist es schön, die jetzt ganz praktisch zu unterstützen und mehr mit ihnen zusammenzuarbeiten. Werde dann noch mehr davon berichten.
Vorher muss ich aber wegen Visumsfrist noch kurz aus dem Land ausreisen, deshalb fahr ich wahrscheinlich morgen nach Yacuiba, der Grenze zu Argentinien, die kenn ich ja schon, und hab auch Kontakte dort, die mir über die Grenze helfen können. Ich geh dann erst ab nächster Woche ins Heim, aber morgen trotzdem mit auf die Straße.
Ja, das wird bestimmt eine sehr eindrückliche und besondere Zeit, bitte betet für Kraft, Weisheit und Frieden in all meinem Leben und Werken :)
Ich grüße euch herzlich, bis bald mit neuen Erfahrungen und Erlebnissen.
Gott ist treu und erfüllt Sein Wort in meinem Leben. Das ist das Schöne und Wunderbare.