Bin ja letztes Mal nicht fertig geworden mit den ganzen Dingen,die ich euch mitteilen wollte. Und was noch aussteht ist…
- der Abschied von Louisa und
- meine Entscheidung, bei der Mitarbeiterschulung in der Base dabei zu sein.Aber eins nach dem anderen:
Zur Zeit bin ich grad dabei, bissle drueber nachzudenken, wie sich so die Kulturunterschiede auswirken, da ich ja jetzt nimmer in der Anpassungs- und Kennenlernphase bin, sondern schon ein paar Schluesse aus den Beobachtungen ziehen kann und das dann auch anwenden sollte, und es wird mir immer bewusster, dass Kultur und Herkunft doch eine sehr grosse Rolle in Beziehungen spielen. Und so schoen und tiefgruendig Freundschaften mit ‘Latinos’ auch sind, so macht es doch einen grossen Unterschied, was Verstaendnis und Anteilnahme angeht, ob ich mit Louisa oder jemand anderem rede. Man kann Situationen halt noch von ner anderen Perspektive ankucken, was oft ungemein hilft und erleichtert. Von daher war unsere Freundschaft in vielerlei Hinsicht sehr wichtig, wertvoll und bereichernd, und wir haben sehr viel voneinander und miteinander gelernt.
Jo, und nun ist sie aber wieder zurueck in England und wird demnaechst anfangen, Theologie zu studieren, in Schottland allerdings. Zwar nicht daheim, aber dafuer nicht ganz so weit weg, wie vorher. War interessant, mit ihr durch die Abschiedszeit durchzugehn, Dinge ausmisten und packen, Abschied nehmen, Geschenke kaufen, Festle feiern, Danke und Tschuess Sagen, und vor allem, Freunde loslassen.
'Alles hat seine Zeit.' Ein sehr ausgelutschter Spruch, aber da ist sehr viel Wahrheit dran. Hab festgestellt, dass ich auch einige Dinge, Gewohnheiten, Einstellungen… loslassen muss, und, obwohl ich ja ‘dableib’, bei mir es net einfach weitergeht, sondern was total Neues anfaengt. Ich bin zurueckgekommen, net einfach dageblieben und fang jetzt einen neuen Abschnitt meines Lebens an.
‘Neuer Wein muss in neue Schlaeuche.’ Das war unser Spruch, beim Kleider und Aehnliches ausmisten. Und wer mich kennt, weiss, dass ich gerne Dinge vereinfache, d.h. wenn Dinge nicht mehr taugen, kommen sie weg. ;) Und bei so viel aeusserlicher Veraenderung bin ich grad dabei herauszufinden, wo bei mir innerlich die ‘alten Schlaeuche’ sind, von denen ich mich verabschieden muss, und welches die 'neuen Schlaeuche', also meine Ziele, Hoffnungen, Erwartungen sind. Ist ganz schoen seltsam. Aber befreiend. Und bin noch lange net fertig damit, das rauszufinden und festzulegen.
Genau, und nun also zu meiner Zukunft, die ich ja eigentlich in der Juengerschaftsschule verbringen wollte...
- Planaenderung, die Xte, hab das Zaehlen aufgegeben... ;)
Da ja Plan A nicht stattfand hab ich beschlossen (als ich noch nichts vom Plan B der Base wusste), anstatt einfach das naechstbeste Angebot zu waehlen, das man mir anbietet, mir alle Moeglichketien offenzu halten und vor meiner Entscheidung darueber, was ich in diesem Jahr tun werde, alle Moeglichkeiten in Betracht zu ziehen.
Und so hab ich mir zwischenzeitlich ueberlegt, ob ich bei Operation Restauration - der Strassenkinderarbeit - mitarbeiten werde, bin mit ihnen auf die Strasse gegangen, und war ja auch wegen dem Abschied von Louisa (die ja das letzte halbe Jahr dort mitgearbeitet hat) viel mit den Mitarbeitern von dort in Kontakt, und hab so die Arbeit bissle besser kennengelernt.
War wie beim ersten Mal (falls ihr euch erinenrt, da hab ich letzten September oder Oktober darueber berichtet) sehr eindruecklich, und gleichzeitig ist mir aufgefallen, wie sehr ich mich veraendert hab und wie viel vertrauter die bolivianische Kultur mir seither geworden ist.
Im Waehrenden war ich unter anderem mit Natalia, unserer Base-Leiterin im Gespraech, die mir die neue Ausrichtung und Ziele der Base nahegebracht hat, und eben auch ein Mitarbeiterschulungsprojekt, das bis Dezember gehen soll, und wos eben um Vertiefung und der Lebens- und Glaubensgrundlagen grad im Bezug auf Charakterschulung und Leiterschaft geht. 'Wurzelaustreibungszeit' ;)
Jo, und nach einigem Ueberlegen und Nachdenken eben im Hinblick auf meine Ziele und Absichten dieses zweiten Jahres hier, hab ich entschieden, daran teilzunehmen. War diesmal ne ganz unspektakulaere Entscheidung, bin ich gar nimmer gewohnt ;) In letzter Zeit gingen meinen Entscheidungen immer lange Kaempfe und tiefe Ueberlegungen voraus, von denen ihr hier ja auf meinem Blog einige teilweise nachvollziehen konntet...
Ich will aber trotzdem mehr als bisher mit Operation Restauration im Kontakt sein, und auch wenn ich sie net direkt in der Arbeit untersteutzen werde, moecht ich in tiefere Freundschaften mit den Mitarbeitern dort investieren und so an ihrer Arbeit Anteil nehmen.
Und so bin ich jetzt eben in der Mitarbeiterschulung, die auch schon laengst angefangen hat... ich komm also nicht dazu, mich zu langweilen, es geht alles Schlag auf Schlag ;) Aber es ist zu packen. Zwar nicht aus meiner Kraft, aber das ist ja auch nicht noetig ;)
'Frieden, der den Verstand uebersteigt.'
So siehts aus.
Die Schulung (ueber die ich demnaechst noch Genaueres berichten werde), besteht zum einen aus Unterricht, Mitarbeit in verschiedenen Verantwortungsbereichen der Base (Kueche, Verwaltung, Gastfreundschaft, Fuerbitte, Lobpreis, Evangelisation, Oeffentlichkeitsarbeit, ...) und auch kurze praktische Missionseinsaetze in verschiedenen Orten.
Ja, und nach eineinhalb Wochen Einfuehrung und Unterricht gings also auch schon los...
Letzten Donnerstag sass unser 6-koepfiges Team, plus drei Brasilianer (die ein Gemeindegruendungs- und Sozialarbeitsprojekt auf dem Land von Santa Cruz anfangen werden), auf dem Weg nach Potosí, einer Bergbaustadt im Hochland Boliviens, wo wir dieses Wochenende bei ihrem jaehrlichen Volksfest-Karneval-artigen Feiern Evangelisation und Fuerbitte gemacht haben.
Potosí ist voll die krasse Stadt, sehr oede und grau und es gibt hier, trotz einer sehr reichen Mine sehr viel Armut. Ausserdem ist die Kultur total in Heiligen- und Teufelsanbetung drin, was teilweise echt schlimme Auswirkungen hat.
Ja, aber bevor ich jetzt darueber noch ausfuehrlich berichte, vertroest ich euch auf den naechsten Eintrag, und geh jetzt mal wider zurueck, weil sich mein freier Tag leider schon dem Ende zuneigt.
Es geht mir aber sehr gut, bin sehr herausgefordert und aber gut aufgehoben. Aah, noch drei Minuten im Internet... mach dann mal Schluss, und verbleibe, wie immer mit lieben Gruessen!